Studien nach Arzneimittelgesetz ● Prof. Dr. med. Max Bittrich und Prof. Dr. med. Stefan Knop
DSMMXV Studie
Pomalidomide, ixazomib, and dexamethasone (PId) with or without intensification by cyclophosphamide (PICd): A phase II study in relapsed or refractory multiple myeloma
Das Multiple Myelom (MM) ist eine bösartige Erkrankung der Plasmazellen im Knochenmark und wird zu den Blutkrebserkrankungen (Non-Hodgin-Lymphome) gezählt. MM ist der zweithäufigste Blutkrebs mit 7.000-8.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland. Charakteristisch für die Erkrankung sind mehrere Tumorherde in den Knochen. Die entarteten Plasmazellen in den Tumorherden bilden in großer Anzahl funktionslose Immunglobuline (sogenannte „Paraproteine“), die eigentlich eine wichtige Rolle im Immunsystem des Menschen spielen. Infolgedessen wird die gesunde Blutbildung verdrängt und die Knochensubstanz zerstört. Sekundär führen die Abbauprozesse der massenhaft gebildeten und funktionslosen Paraproteine zu einer Nierenfunktionseinschränkung und zum Immundefekt. Das Multiple Myelom gilt bis heute als unheilbar. Typisch für MM ist ein chronischer Verlauf mit Rückfällen (Rezidiven). In den letzten Jahren hat sich die medikamentöse Behandlung durch die Zulassung neuer, hochwirksamer Arzneimittel stark verbessert. Dadurch verbesserte sich nicht nur die Überlebensprognose für Patienten mit MM kontinuierlich, sondern auch der Erhalt der Lebensqualität tritt immer mehr in den Vordergrund. Wichtige Forschungsansätze hinsichtlich der Therapiemöglichkeiten sind Immuntherapien (Antikörper, CAR-T-Zellen), Proteasom-Inhibitoren (blockieren Zellabbauprozesse in den Knochen) oder Kombinationstherapien (Gabe von mehreren Wirkstoffe gleichzeitig). Die DSMMXV-Studie zielte auf eine solche Kombinationstherapie zur Behandlung von Patienten mit rezidivierten oder refraktären MM ab. Die Studie erprobte eine neue orale Kombinationstherapie aus dem Medikament Ixazomib und den bereits in der Krebstherapie etablierten Medikamenten Pomalidomid, Dexamethason und Cyclophosphamid.
Während der zweistufigen Behandlung wurden die Patienten zunächst in der Induktionsphase mit Pomalidomid, Ixazomib und Dexamethason (PId) so lange behandelt, bis sich anhand der Blutwerte zeigte, dass die Erkrankung fortschreitet. In der anschließenden Intensivierungsphase folgte eine Behandlung mit PId plus Cyclophosphamid (PICd), bis wieder ein messbares Fortschreiten der Erkrankung festgestellt werden musste.
Das wichtigste Ziel der Studie war zu prüfen, bei vielen Patienten sich die Erkrankung unter der dreifachen Kombinationstherapie PId teilweise verbesserte oder sogar komplett zurückbildete. Außerdem wurde untersucht, wie lange die Krankheit durch die Behandlung aufgehalten werden konnte, wie lange die Patienten insgesamt lebten, und wie gut die Behandlung vertragen wurde, also welche Nebenwirkungen auftraten.
PId erwies sich als wirksame Standardtherapie für refraktäre/rezidivierte multiple Myelome. Die Zugabe von Cyclophosphamid erwies sich als vorteilhaft, aufgrund der erhöhten Toxizität ist der Nutzen jedoch bei bestimmten Patientengruppen begrenzt.
Die GWT trug in ihrer Funktion als klinischer Sponsor die regulatorische Gesamtverantwortung und war für die Planung, Organisation sowie Durchführung dieser Phase-II-Studie zuständig.

PROJEKTLEITER
Prof. Dr. med. Max Bittrich und Prof. Dr. med. Stefan Knop
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