Nicht-interventionelle Studien ● Professor Dr. med. Uwe Platzbecker
PALOMA-Studie
PALOMA-Studie: Brückenbehandlung bis zur Stammzelltransplantation
Für Patientinnen und Patienten mit bestimmten bösartigen Erkrankungen des blutbildenden Systems – etwa Hochrisiko-MDS oder frühen Formen der akuten myeloischen Leukämie – stellt die allogene Stammzelltransplantation derzeit eine zentrale, potenziell kurative Therapieoption dar. Da zwischen Diagnose, Spendersuche und Transplantation häufig Zeit vergeht, ist in dieser Phase eine geeignete Brückenbehandlung erforderlich. Sie soll das Fortschreiten der Erkrankung kontrollieren, den klinischen Zustand der Betroffenen stabilisieren und sie möglichst zuverlässig bis zur geplanten Transplantation führen.
Die internationale Phase-II-Studie PALOMA untersucht hierfür zwei Behandlungsstrategien vor einer allogenen Stammzelltransplantation: CPX-351, eine liposomale Kombination aus Cytarabin und Daunorubicin, wird mit konventionellen Behandlungsstrategien verglichen. Diese können entweder aus einer intensiven Standardchemotherapie nach dem 7+3-Regime oder aus einer Behandlung mit Azacitidin bestehen. Ziel der Studie ist es, eine evidenzbasierte Grundlage dafür zu schaffen, welche Behandlungsstrategie Patientinnen und Patienten in dieser sensiblen Übergangsphase besonders zuverlässig bis zur Transplantation führen kann.
Organisatorisch ist PALOMA als randomisierte Studie mit zwei parallelen Behandlungsarmen angelegt. Nach Aufklärung, schriftlicher Einwilligung und einer Screening-Phase werden geeignete Patientinnen und Patienten per 1:1-Randomisierung einem der beiden Studienarme zugeordnet. In Arm A erfolgt die Behandlung mit CPX-351; in Arm B erhalten die Teilnehmenden eine konventionelle Therapie, wobei die konkrete Behandlungsoption durch den behandelnden Arzt anhand der individuellen Situation festgelegt wird. Geplant war die Aufnahme von insgesamt 150 Patientinnen und Patienten an verschiedenen Studienzentren in Deutschland.

Schematische Darstellung des PALOMA-Studienablaufs: Nach Screening und Randomisierung werden die Teilnehmenden entweder mit CPX-351 oder mit einer konventionellen Behandlungsstrategie bis zur geplanten allogenen Stammzelltransplantation behandelt.
Vor Beginn der Behandlung werden im Rahmen einer Screening-Visite unter anderem Vorerkrankungen, aktueller Gesundheitszustand und Begleitmedikation erfasst. Ergänzend erfolgen körperliche Untersuchung, Vitalzeichenmessung, EKG, Echokardiographie, Blut- und Knochenmarkuntersuchungen sowie ein Fragebogen zur Lebensqualität. Erst wenn diese Voruntersuchungen die Eignung bestätigen, beginnt die Behandlung; der Start ist innerhalb von vier Wochen nach Randomisierung vorgesehen.
Die Behandlungsphase folgt je nach Studienarm unterschiedlichen Abläufen. Im CPX-351-Arm beginnt die Therapie etwa 96 Stunden nach Randomisierung und erfolgt in Behandlungszyklen mit definierten Infusionstagen sowie wiederholten Knochenmarkbeurteilungen zur Bewertung des Therapieansprechens. Im konventionellen Arm kann entweder eine intensive Chemotherapie mit Cytarabin und Daunorubicin oder eine Therapie mit Azacitidin eingesetzt werden. Auch hier sind regelmäßige Kontrollen, Knochenmarkuntersuchungen und eine Anpassung des weiteren Vorgehens an Therapieansprechen, Alter und Spenderverfügbarkeit vorgesehen.
Nach Abschluss der Studienbehandlung werden die Teilnehmenden im Prüfzentrum weiter medizinisch begleitet. Dabei werden der Gesundheitszustand, das Therapieansprechen sowie mögliche Nebenwirkungen regelmäßig überprüft.
Die allogene Stammzelltransplantation selbst ist nicht Bestandteil der Studie, sondern folgt den etablierten Routineprozessen des jeweiligen Prüfzentrums. Die Suche nach einem geeigneten Spender wird jedoch bereits zu Beginn der Studie angestoßen, damit die Brückenbehandlung und die weitere Transplantationsplanung möglichst gut ineinandergreifen.
Die GWT-TUD GmbH führt die Studie als Sponsor im Namen des Studiennetzwerkes EMSCO (European MDS Studies Coordination Office) durch. Initiiert wurde PALOMA durch die Deutsche MDS Studiengruppe in Zusammenarbeit mit der Studien-Allianz-Leukämie (SAL). Die Durchführung der klinischen Prüfung wird von Jazz Pharmaceuticals finanziell unterstützt; Jazz Pharmaceuticals ist Hersteller von Vyxeos® / CPX-351.
Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Auswertung steht das ereignisfreie Überleben, also die Zeit bis zu Ereignissen wie Therapieversagen, notwendigem Therapiewechsel, Rückfall oder Tod. Darüber hinaus werden Ansprechen auf die Therapie, Sicherheit, Verträglichkeit und Lebensqualität bewertet.
Publikation: geplant zum EHA 2026, 11-14.06.2026
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Susann Leupold
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