Nicht-interventionelle Studien ● Prof. Dr. Jan Beyer-Westendorf
VALIDA-Studie
Mehr Entscheidungssicherheit bei akuten Blutungen unter Gerinnungshemmern
Akute, lebensbedrohliche Blutungen bei Patientinnen und Patienten, die direkte orale Faktor-Xa-Inhibitoren einnehmen, stellen Notaufnahmen und Behandlungsteams vor eine besondere Herausforderung. In kurzer Zeit muss entschieden werden, ob eine spezifische Aufhebung der Gerinnungshemmung erforderlich ist. Spezifische Laborwerte, insbesondere Anti-Xa-Spiegel, sind jedoch nicht überall rund um die Uhr verfügbar oder liegen im Notfall nicht schnell genug vor. Genau hier setzt die VALIDA-Studie an: Sie untersucht, ob ein strukturierter Entscheidungsalgorithmus dazu beitragen kann, Therapieentscheidungen im Akutfall schneller, nachvollziehbarer und gezielter zu treffen.
Wissenschaftlicher Kern der Studie ist die Validierung eines Behandlungspfades für den Einsatz von Andexanet alfa, einem spezifischen Antidot zur Aufhebung der Wirkung bestimmter Faktor-Xa-Inhibitoren (Reversierung). Der Algorithmus berücksichtigt klinische Angaben, sofern verfügbar, wie Wirkstoff, Dosierung und Zeitpunkt der letzten Einnahme, sowie routinemäßig erhobene Laborwerte. Auf dieser Grundlage sollen Patientinnen und Patienten in Gruppen eingeordnet werden, bei denen eine Reversierung wahrscheinlich angezeigt, wahrscheinlich nicht angezeigt oder zunächst unklar ist. Ziel ist es, unnötige Behandlungen zu vermeiden, gleichzeitig aber Patientinnen und Patienten mit relevantem Reversierungsbedarf (z.B. bei akuten, lebensbedrohlichen Blutungen oder vor Notoperationen) sicher zu identifizieren.
VALIDA wurde als retrospektive, nicht-interventionelle, multizentrische Datenerhebung konzipiert. Das bedeutet: Es wurden ausschließlich bereits vorhandene Daten aus der klinischen Routine ausgewertet; die Behandlung der Patientinnen und Patienten wurde durch die Studie nicht beeinflusst. Eingeschlossen wurden Notfalldaten erwachsener Patientinnen und Patienten mit akuten, lebensbedrohlichen Ereignissen unter direkter Faktor-Xa-Hemmer-Therapie, überwiegend Blutungsereignisse, ergänzt durch einen kleineren Anteil notfallchirurgischer Situationen.
Die Datenerhebung erfolgte an spezialisierten deutschen Studienzentren, darunter Universitätskliniken und größere Versorgungskrankenhäuser mit Erfahrung in der Behandlung solcher Notfälle. Dokumentiert wurden unter anderem Angaben zum Notfallereignis, zur Antikoagulation, zu relevanten Laborparametern, zu bildgebenden Untersuchungen, zur Entscheidung für oder gegen eine Reversierung sowie zum klinischen Verlauf innerhalb der ersten 72 Stunden nach Aufnahme. Dadurch konnte der Entscheidungsprozess im realen Versorgungsalltag systematisch nachvollzogen werden.
Die GWT übernahm als Sponsor und CRO die organisatorische Umsetzung der Studie. Dazu gehörten unter anderem Projektmanagement und Datenmanagement. Für die wissenschaftliche Auswertung standen ausschließlich anonymisierte Daten zur Verfügung.
Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. med. Jan Beyer-Westendorf, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, wurden die Daten genutzt, um Nutzen und Anwendbarkeit strukturierter Entscheidungswege im klinischen Alltag zu bewerten. Die Ergebnisse zeigen, dass der untersuchte Algorithmus Therapieentscheidungen gezielter unterstützen und unnötige Behandlungen vermeiden könnte. Damit liefert VALIDA einen wichtigen Beitrag zur evidenzbasierten Versorgung von Notfallpatientinnen und -patienten unter moderner Antikoagulation.
Publikation: geplant zum ISTH im 11-15.07.2026
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Martin Puttrich
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